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Steiermark: Pflegeheime stehen vor Kollaps

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Steiermark: Pflegeheime stehen vor Kollaps

Die Pflegeheime in der Steiermark stehen weiterhin unter Druck. Das haben sie mit ÖVP-Landesrätin Juliane Bogner-Strauß gemein, die einmal mehr von der KPÖ kritisiert wird. Es fehle an Personal und Kontrolle.

Wien, 21. Jänner 2021 | Aktuell herrscht ein absoluter Ausnahmezustand in den Pflegeheimen – und ein Ende ist nicht in Sicht. Das sei das Resultat fehlender Vorbereitung und jahrelanger Vernachlässigung des Pflegesektors, meint die KPÖ Steiermark. Sie fordert von ÖVP-Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner Strauß eine Erklärung für das Versagen.

Personalmangel und fehlende Kontrolle

Das mangelnde Personal in den Heimen stellte bereits vor Ausbruch von Corona ein Problem dar. Mit Corona ist es zu einer Überlastung gekommen und zu dementsprechend verheerenden Zahlen. Mit einer Sterberate von über 4.000 auf 100.000 Einwohner in den Pflegeheimen liegt die Steiermark österreichweit deutlich an der Spitze. Dennoch sieht die Landesregierung eine Unterschreitung der Personalausstattung in Pflegeheimen um zehn Prozent vor.

Eine Erklärung für die prekäre Lage sei die Tatsache, dass es in der Steiermark hauptsächlich viele kleine Heime gibt, die größeren Pflegekonzernen gehören. Diese würden laut Kritikern versuchen, unter Ausschöpfung aller gesetzlichen Möglichkeiten so kosteneffizient wie möglich zu arbeiten. So käme es dann auch zu Vernachlässigungen bei der Einhaltung von Standards. Die KPÖ fordere schon lange eine wirksame Kontrollinstanz, da die Routinekontrollen, auf die man sich in den Heimen vorbereiten kann, nicht die herrschende Unterbesetzung aufzeigen würden, so ein Sprecher der KPÖ.

Stadt-Land-Unterschiede groß

Große Unterschiede herrschen zwischen Stadt und Land. So gibt es in Graz eigene Kontrollorgane für die Heime, die auch während Corona im Einsatz sind, was auf Landesebene aber nicht der Fall ist, wie es heißt. In Graz wird in allen Pflegeheimen die Zahl der Infizierten und die Ausstattung mit Schutzausrüstungen und Masken wöchentlich evaluiert. Außerdem sei ein spezieller Amtsarzt für ein Pflegeheim zuständig, sodass die Pflegeheime einen direkten Ansprechpartner hätten, so Robert Krotzer, Stadtrat für Gesundheit in Graz, auf ZackZack-Anfrage. Außerhalb von Graz fehlt eine derartige Kontrolle aber, wie sich Anfang Dezember in einem Heim in St. Lorenzen mit 90 Prozent angesteckten Bewohnern zeigte.

Darüber, wie das Virus seinen Weg in die Heime gefunden und zum Anstieg der Zahlen geführt hat, scheint man sich noch im Unklaren zu sein. Unklar ist zudem, ob die Übersterblichkeit hauptsächlich coronabedingt ist, nachdem die Zahlen diese Information nicht beinhalten. Auch die Vereinsamung der Menschen durch die Schutzmaßnahmen ist ein nicht zu vernachlässigender Faktor.

Bogner-Strauß unter Beschuss

ÖVP-Landesrätin Bogner-Strauß geriet indes in der Landtagssitzung am 19. Jänner stark unter Beschuss, nachdem sie den Vorsitzenden der Krankenanstaltengesellschaft für seine Aussage über „die kaum geprüfte Impfung“ in Schutz genommen hatte. Grünen-Chefin Krautwaschl forderte dessen Abberufung, sollte er diesen Sager nicht zurücknehmen – aber Bogner-Strauß sah die Intention des Briefes, in dem die umstrittene Aussage stand, als „redlich“ an, der Brief stelle „keinen Aufruf zur Impfweigerung“ dar.

(nb)

Titelbild: APA Picturedesk

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  • Nura Wagner

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