Ist deutsche Umweltministerin schuld?
Die deutsche Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) erlaubte ein für Bienen hochgiftiges, von der EU verbotenes Pestizid. Jetzt verbreitet es sich unkontrolliert in der Umwelt.
Wien, 06. Oktober 2021 | Vor einiger Zeit wurde von der deutschen Agrarministerin ein für Bienen hochgiftiges Pestizid erlaubt – ausnahmsweise. Jetzt gerät es außer Kontrolle und verbreitet sich in der Umwelt. Darunter leiden besonders Bienen und andere Insekten.
Gift lähmt und tötet die Bienen
Imker und Naturschützer aus Bayern haben große Mengen des Wirkstoffs Thiamethoxam und sein Abbauprodukt in Wasser und Schlammproben gefunden. Auch in Proben von Pflanzen auf benachbarten Feldern in den fränkischen Landkreis und dem angrenzenden Kreis Fürth fand das beauftragte Labor die hochgiftigen Pestizide der Gruppe Neonikotinoide. Das berichtete die deutsche „taz“.
2018 verbot die EU, Thiamethoxam und Clothianidin im Freiland zu verteilen. Mehrere Studien hätten davor gezeigt, dass diese Pestizide Binen schädigen. Neonikotinoide können Experten zufolge Insekten bereits bei einer sehr geringen Dosierung lähmen, töten oder das Lernvermögen und die Orientierungsfähigkeit beeinträchtigen. Das betreffe laut „taz“ nicht nur Bienen, sondern auch andere Insekten und Wasserorganismen. Es sterben immer mehr Insektenarten aus – die EU wollte eigentlich dagegen vorgehen.
“Notfallzulassung”
Trotz des EU-Verbots erteilte Klöckner sogenannte „Notfallzulassungen“ für das Thiamethoxam-haltige Pestizid „Cruiser 6000 FS“ des Chemiekonzerns “Syngenta” aus Shanghai. Die EU-Pestizidverordnung erlaubt solche Ausnahmen eigentlich nur, wenn sich eine „Gefahr“ nicht anders abwehren ließe, so die „taz“. Die Folge: In sieben Bundesländern durfte von Januar bis April 2021 auf insgesamt 126.900 Hektar – eine Fläche mehr als eineinhalb mal so groß wie die Stadt Hamburg – Zuckerrübensaatgut mit diesem Gift ausgesäht werden.
Die „Gefahr“ sei in diesem Fall eine Blattlaus gewesen, die Pflanzen mit verschiedenen Vergilbungsviren infiziere, die die Rübe zum verkümmern bringe. Der Nachteil: Samen, die mit Thiamethoxam besprüht werden, nehmen dieses Gift in alle Teile der Pflanze auf. Laut Bundesamt für Verbraucherschutz könne man die Blattläuse mit einem alternativen Pflanzenschutz nicht ausreichend bekämpfen.
Für Bienenzüchter seien das gravierende Verstöße gegen die Allgemeinverfügung der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft – und Bienen seien ohnehin schon vom Aussterben bedroht.
Doch es geht anders: Bio-Landwirte bauen Zuckerrüben ohne chemisch-synthetische Pestizide an, indem sie einem Schädlingsbefall etwa durch eine weite Fruchtfolge vorbeugen. Das bedeutet, dass sie besonders viele verschiedene Fruchtarten hintereinander anbauen. Allerdings ernten Biobauern pro Hektar weniger als ihre konventionellen Kollegen.
(jz)
Titelbild: APA Picturedesk