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Rainer Nowak »Medienmanager des Jahres«: So sind wir! Oder doch nicht?

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Rainer Nowak »Medienmanager des Jahres«: So sind wir! Oder doch nicht?

Rainer Nowak »Medienmanager des Jahres«

Das Branchenblatt „Österreichs Journalist:In“ kürt Presse-Chefredakteur und Geschäftsführer Rainer Nowak und seinen Geschäftsführungskollegen Herwig Langanger zu den Medienmanagern des Jahres und zeigt damit mehr als deutlich, dass Problembewusstsein keine Stärke des österreichischen Journalismus ist.

Barbara Piontek

Wien, 28. Oktober 2021 | Medienmanager des Jahres, das ist schon was. Ein Preis, der gerade in der nach Selbsterhöhung gierenden Welt des Journalismus Balsam auf eine gebeutelte Chefredakteursseele sein kann. Das vor allem durch eine sehr lange Weigerung, seinen Namen zu ändern bekannte Magazin „Österreichs Journalist:In“, (davor „Österreichs Journalist“) hat diese Auszeichnung nun eben an Rainer Nowak vergeben. Allerdings mit der Betonung, ihn eben NICHT als Chefredakteur, sondern als Manager ausgezeichnet zu haben. Die Optik ist trotzdem verheerend.

„Lach, wenn’s nicht zum Weinen reicht“, heißt ein Lied von Herbert Grönemeyer und kaum hat es je besser gepasst als zu dieser Auszeichnung. Dass ausgerechnet jener Chefredakteur und Geschäftsführer ausgezeichnet wird, der neben den Fellner-Brüdern am häufigsten in den bisher bekannten Chats der Kurz-Truppe vorkommt, ist an Absurdität kaum zu übertreffen. Aber es zeigt sehr deutlich, wie Österreich und auch der dazugehörige Journalismus funktionieren – in der Auseinandersetzung mit sich selbst nämlich gar nicht.

Bleiben wir beim Thema Rainer Nowak, weil es gar so ein schönes Lehrbeispiel ist. Bereits im Sommer kommt der Presse-Chef in den Schmid-Chats vor. Er ändert eine für Schmid unangenehme Geschichte zu seiner baldigen Bestellung zum ÖBAG-Chef vom Seitenaufmacher zu einem kleineren Bericht und verspricht dafür etwas anderes. ZackZack berichtet als einziges Medium über die inkriminierenden Chats. Daraufhin droht Nowak mit rechtlichen Schritten, die Branche schweigt. Ein halbes Jahr später ist es wieder nur ZackZack, das von den neuerlichen Chatnachrichten Nowaks berichtet. Zum Schweigen gesellen sich diesmal Relativierungen von KollegInnen und auch Angriff und Diffamierung einer Presse-Journalistin. Es bewahrheitet sich wieder einmal die alte österreichische Weisheit, wonach nicht derjenige das Problem ist, der den Brand legt, sondern der Erster “Feuer” schreit. Gerade die vermeintlich kritische und aufgeklärte Medienbranche ist da keine Ausnahme.

Symptom und Ursache

Und genau da sind wir beim Grundproblem. All die Rainer Nowaks in den Führungspositionen der österreichischen Medien und darunter sind bloß Symptom. Zu viele haben es sich in diesem System aus gegenseitigen Abhängigkeiten von Medien und Politik bequem gemacht. Zu viele sonnen sich in der Macht diverser Kanzler, zu viele haben Ambitionen „was zu werden“. Gerade in Sebastian Kurz hatten sie die perfekte Bedienung für ihre Gelüste gefunden. Anders ist es auch nicht zu erklären, dass die „Vereinigung der Chefredakteure“ (Rainer Nowak ist stellvertretender Vorstand) in ihrer offiziellen Stellungnahme nach der Inseratenaffäre kein Wort der Kritik am bestehenden System der Inseratenkorruption findet. Ganz im Gegenteil wird die wichtige wirtschaftliche Bedeutung derer für Redaktionen betont. Der Druck aus der betroffenen Branche auf die Politik, ein neues Medienförderungsgesetz zu erlassen, könnte geringer kaum sein.

So wird das nichts mit Selbstreflexion, Hinterfragen der eigenen Handlungen, kritischer Distanz zu den Mächtigen, die von der Spitze an vorgelebt werden muss, oder einer neuen Medienförderung – kurzum mit der Erneuerung des Systems.

Ja, so sind wir. Das Gegenteil muss erst bewiesen werden. Es steht ja bloß die Glaubwürdigkeit des Journalismus am Spiel.

Titelbild: APA Picturedesk

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