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Nach Abtreibungsgesetz in Polen: Ärzte lassen Frau sterben

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Nach Abtreibungsgesetz in Polen: Ärzte lassen Frau sterben

Nach Abtreibungsgesetz in Polen:

Am Montag starb eine schwangere Frau in Polen. Die Ärzte hatten sich aufgrund des strengen Abtreibungsgesetzes, das seit rund einem Jahr in Kraft ist, nicht getraut, eine lebensrettende Abtreibung vorzunehmen.

Warschau/Pszczyna, 2. November 2021 | Der Tod einer 30 Jahre alten schwangeren Frau hat am Montagabend Proteste in mehreren Städten Polens ausgelöst. Wie der TV-Nachrichtensender TVN24 am Dienstag berichtete, hatten die Ärzte im Krankenhaus der südpolnischen Stadt Pszczyna nicht gewagt, das Leben der Frau durch einen Schwangerschaftsabbruch zu retten. Stattdessen hätten sie darauf gewartet, bis der geschädigte Fötus im Mutterleib von selbst abstirbt.

Die Anwältin der Verstorbenen hatte vergangene Woche in digitalen Medien über den Fall informiert und das strenge Abtreibungsverbot Polens für den Tod der jungen Frau verantwortlich gemacht. Das polnische Verfassungsgericht hatte vor einem Jahr fast alle Ausnahmeregeln des strengen Abtreibungsgesetzes aufgehoben. Seither ist ein Schwangerschaftsabbruch auch dann verboten, wenn der Fötus schwer geschädigt ist.

Demonstrationen im ganzen Land

Frauenrechtsorganisationen hatten zu Protestkundgebungen am Montagabend unter der Parole “Nicht auch nur eine mehr!” aufgerufen. Hunderte Frauen und Männer versammelten sich nicht nur in Pszczyna, sondern auch in zahlreichen anderen Städten des Landes. TV-Bilder zeigten, wie Demonstrierende vor dem Verfassungsgericht in Warschau Kerzen anzündeten. Auf Transparenten waren gegen die konservativen Verfassungsrichter und die Regierung gerichtete Sätze zu lesen wie “Ihr Tod klagt euch an!”, “Auch ihr Herz hat noch geschlagen!” oder “Frauenrechte sind Menschenrechte!” Die linksliberale Zeitung Gazeta Wyborcza titelte heute „Erstes Opfer des Fanatismus“. Der polnische Journalist Joachim Ciecierski verwies im Gespräch mit ZackZack auf die immer größere Bereitschaft, vor allem der jungen polnischen Bevölkerung, an Demonstrationen teilzunehmen. „Zündstoff gibt es in Polen genug“, so Ciecierski.

Der Tod der jungen Frau werde derzeit von der Staatsanwaltschaft untersucht.

(dp/apa)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • DanielPilz

    Taucht gern tiefer in komplexe Themengebiete ein. Lebt trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm und verpasst fast kein Fußballspiel.

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