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»Lüge und Marketing-Gag« – Verein Spielerhilfe zum fehlenden Spielerschutz bei Casinos Austria

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»Lüge und Marketing-Gag« – Verein Spielerhilfe zum fehlenden Spielerschutz bei Casinos Austria

Verein Spielerhilfe zum fehlenden Spielerschutz bei Casinos Austria

In einer Pressekonferenz des Vereins Spielerhilfe prangerte der Vereinssprecher den unzureichenden Spielerschutz bei der Casinos Austria AG (CASAG) an. Zudem seien Gewinn- und Verlustaufzeichnungen der Casinos Austria von Spielsüchtigen falsch.

Wien, 10. November 2021 | Ein „systematisches Versagen“ beim Spielerschutz verortet der Verein Spielerhilfe im „System Casinos Austria“. Spielsüchtige, die nach Angaben des Vereins für einen Großteil des Umsatzes von Casinos Austria verantwortlich seien, gingen „an ihrer Spielsucht zugrunde“. Effiziente Präventionsmaßnahmen bleiben aus.

Das große Geschäft mit der Sucht

Der Verein Spielerhilfe, der seine Informationen von internen Quellen und Geschädigten bezieht, unterstreicht die enorme wirtschaftliche Bedeutung von Spielsüchtigen für die Casinos Austria. Demnach seien 3 Prozent der Spieler, meist Spielsüchtige, für 75 Prozent des Umsatzes des Glücksspielkonzerns verantwortlich. „Die Casinos leben davon, dass möglichst viele Menschen in die Spielsucht kippen“, so der stellvertretende Obmann des Vereins. Mittels gesteuerter Gewinnausschüttung bei Automaten würden die Casinos versuchen, das Verhalten von Spielern zu manipulieren – ZackZack berichtete.

Mangelnder Spielerschutz

Per Gesetz seien Glücksspielkonzessionäre zu Spielerschutz verpflichtet. Dieser solle verhindern, dass eine Person im Casino über ihre Verhältnisse hinaus Geld im Glücksspiel verliert. Laut Verein Spielerhilfe sei der Spielerschutz bei den Casinos Austria jedoch ein ineffizienter „Marketing-Gag der Industrie“. Spielsüchtige und finanziell Ruinierte würden meistens nicht als solche erfasst, womit keine Maßnahmen im Rahmen des Spielerschutzes anfallen. Um den finanziellen Schaden Spielsüchtiger, die per Gutachten vor Gericht oftmals als „nicht mehr geschäftstüchtig“ eingestuft werden, zu bemessen, werden seitens der Casinos sogenannte Gewinn- und Verlust-Aufzeichnungen vorgenommen.

Diese würden sich von den Angaben der Geschädigten jedoch oftmals stark unterscheiden, so der Verein Spielerhilfe. In einem Beispiel bilanzierten die Casinos mit einem Gewinn von 43.800 Euro, der Geschädigte mit einem Verlust von 73.555 Euro – eine Differenz von 117.355 Euro. Noch markanter sei der Fall eines Geschädigten, der einen finanziellen Schaden von 673.000 Euro beklagte. Laut Casinos Austria gewann der Spielsüchtige jedoch insgesamt 423.000 Euro, womit laut Glücksspielkonzern kein Spielerschutz geboten war.

Eine wichtige Säule des Spielerschutzes sei die sogenannte Besuchseinschränkung. Sie schränkt die Besuchsmöglichkeiten von Spielsüchtigen ein. Zwar verhängen die Casinos Austria immer wieder Besuchseinschränkungen, umgehen diese dann laut Verein Spielerhilfe mittels „geschenkten Vorgriffen“ oftmals selbst. „Geschenkter Vorgriff bedeutet, dass einem Kunden mehr Zutritte ermöglicht wurden, als eigentlich von uns als zulässig ausgewiesen“, so ein Spielerschutz-Beauftragter des Glücksspielkonzerns.

Immer wieder würden die Casinos an spielsüchtige Personen kleine Kredite vergeben, um sie weiterhin zum Spielen zu bewegen. Ein frühzeitiges „Durchbrechen der Suchtkette“ vermisst man beim Verein Spielerhilfe, der von einem „völlig ineffizienten Spielerschutz“ spricht, zur Gänze.

Selbstsperre

Als letzte Konsequenz können sich Süchtige bei den Casinos selbst sperren lassen. Damit hindern sie sich selbst daran, Geld im Casino zu verspielen. Laut Verein Spielerhilfe erschweren die Casinos Austria die Selbstsperre jedoch oder heben diese vorzeitig auf. Der Verein hat deshalb eine österreichweite Selbstsperre initiiert, über die sich Spielsüchtige selbst bei allen stationären Glücksspielangeboten sperren können.

Die staatlich zuständige Stelle für Spielerschutz hat ihren Sitz im Finanzministerium, das auch die Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel lukriert. Seit 2011 arbeite man an einer umfassenden Selbstsperre für Spielsüchtige. Umgesetzt ist diese bisher nicht.

Reaktion der Casinos Austria

Die Casinos Austria selbst, die sich mit Medienvertretern beriet, stellte die Anschuldigungen als persönlich motiviert dar. Sie sprach von einem Rechtsstreit zwischen den Casinos Austria und dem stellvertretenden Obmann, bei dem es in einem privaten Verfahren um einen hohen Betrag ginge. Für den Verein Spielerhilfe könnte das ein Verstoß gegen das Spielgeheimnis sein.

(dp)

Titelbild: Verein Spielerhilfe

Autor

  • DanielPilz

    Taucht gern tiefer in komplexe Themengebiete ein. Lebt trotz Philosophiestudiums nicht im Elfenbeinturm und verpasst fast kein Fußballspiel.

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