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WKO-Lernplattform erinnert an »Kaufhaus Österreich«-Flop

WKO-Lernplattform erinnert an »Kaufhaus Österreich«-Flop

Ab Herbst sollen österreichische Unternehmen Zugang zu einer Lernplattform der WKO kaufen können. Die hohen Kosten dafür und die bisher verfügbaren Inhalte wecken Erinnerungen an den „Kaufhaus Österreich“-Flop.

Wien, 21. Juni 2022 | Im Herbst möchte die Österreichische Wirtschaftskammer (WKO) die Lernplattform „wîse up“ für Unternehmen präsentieren. Diese steht nun im Verdacht, die Fortsetzung des teuren „Kaufhaus Österreich“-Flops zu werden. Denn wie der „Falter.morgen“ berichtet, kostet das Projekt laut internen Aufzeichnungen bereits 5,2 Millionen Euro anstatt der offiziell angegebenen 4,3 Millionen. Die WKO spricht gegenüber ZackZack von einer “Zukunftsinvestition der Wirtschaftskammern für die heimischen Betriebe und ihre Mitarbeiter:innen”.

Finanziert wird das Ganze durch die Wirtschaftskammer-Pflichtbeiträge. Unternehmen müssen aber “pro Anwender” dennoch ein kostenpflichtiges Abo abschließen. Verfügbar sind derzeit aber zu einem beträchtlichen Teil Inhalte, die sonst ohnehin kostenfrei verfügbar wären. Seit Jänner läuft die Pilotphase, in der 900 Testuser aus 80 Unternehmen die „wîse up“ testen.

De facto Dreifachfinanzierung durch Unternehmer

Die Plattform richtet sich laut WKO speziell an Ein-Personen-Unternehmen und kleinere Betriebe, die keine eigene IT-, Rechts- oder Personalabteilung haben. Einen kostenlosen Zugang bekommen die Unternehmen aber nicht automatisch durch ihre Wirtschaftskammer-Mitgliedschaft. Sie zahlen für eine Standard-Mitgliedschaft 14,90 Euro im Monat für das „Netflix für Weiterbildung“, wie WKO-Präsident Harald Mahrer (ÖVP) es ausdrückt. 30 Tage können sie kostenlos testen. Auf ZackZack-Anfrage heißt es aus der WKO, dass Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern günstigere Abo-Konditionen bekommen. Die genauen Konditionen werden dann individuell ausverhandelt.

Insgesamt sind derzeit laut Website „mehr als 15.000 Online-Kurse“ verfügbar, entweder als Video, als Text, als Webinar oder als Quiz. Auch eigene Inhalte sollen User hochladen können. Derzeit stammen die Inhalte aber großteils von LinkedIn Learning, Studyflix und Anton. Von den drei Lernplattformen ist nur LinkedIn Learning kostenpflichtig. Anton wurde sogar mit EU-Mitteln gefördert. Werbung soll laut „Falter.morgen“ bei externen Inhalten dennoch eingespielt werden. Nur wenige Inhalte habe die WKO selbst produziert.

Schweigen über Kosten

Auskünfte über die genauen Kosten wollte die WKO dem „Falter“-Newsletter nicht geben: weder zur genauen Kostenaufstellung der bisher ausgegebenen Pflichtbeiträge noch zu den Lizenzkosten für die LinkedIn-Inhalte. Die Qualität der Plattform soll vom Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft geprüft werden, das von der WKO selbst und von der Industriellenvereinigung 1975 gegründet wurde.

Ein zweites Kaufhaus Österreich?

Das Projekt lässt Erinnerungen an das als österreichische Antwort auf Amazon geplante „Kaufhaus Österreich“ wach werden. Die damalige Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) kooperierte dafür mit der WKO. Was eine Onlinehandel-Plattform werden sollte, wurde zur Lachnummer im Netz, nicht zuletzt, weil die Produktsuche nicht funktionierte. Nach drei Monaten war das digitale Kaufhaus Geschichte und wurde zu einem Verzeichnis für Handelsunternehmen bei Fragen rund um E-Commerce degradiert. Gekostet hatte das Ganze rund 1,3 Millionen Euro, fast doppelt so viel, wie das Ministerium offiziell angegeben hatte.

UPDATE: Dieser Artikel wurde um 14.46 Uhr um angefragte Zusatzinformationen der WKO ergänzt. 

(pma)

Titelbild: APA Picturedesk

Autor

  • Pia Miller-Aichholz

    Hat sich daran gewöhnt, unangenehme Fragen zu stellen, und bemüht sich, es zumindest höflich zu tun. Diskutiert gerne – off- und online. Optimistische Realistin, Feministin und Fan der Redaktions-Naschlade. @PiaMillerAich

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