Schmid und die Journalisten
Wieder wurden diese Woche zahlreiche Chats zwischen Thomas Schmid und hochrangigen Journalisten publik. Diesmal mit “Presse”-Chef Rainer Nowak sowie dem ehemaligen ORF-Finanzdirektor und jetzigen Kurier-Chefredakteur-Stellvertreter Richard Grasl.
Wien, 05. November 2022 | Nicht nur in der Politik-Welt sorgen die Chatnachrichten von Ex-ÖBAG-Chef Thomas Schmid für Aufruhr, nun schlugen sie auch (wieder) in der Medienbranche ein. Ein Bericht der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), über den “Der Standard” zuerst berichtete und der auch ZackZack vorliegt, zeigt ein zweifelhaftes Näheverhältnis zwischen hochrangigen Journalisten und Thomas Schmid.
Insbesondere dreht es sich im Abschlussbericht der WKStA – die Korruptionsermittler sehen aller Voraussicht nach von einem Ermittlungsverfahren ab – um den “Die Presse”-Chefredakteur, -Geschäftsführer und -Herausgeber in Personalunion, Rainer Nowak.
Nowak stand demnach jahrelang in engem Austausch mit Schmid. Beide fuhren gemeinsam auf Urlaub und verbrachten zahlreiche Abende zusammen. Unter anderem auch in Martin Hos geheimen “Club X”, wie aus den Chatnachrichten hervorgeht. Die beiden planten dort, im Beisein von Sebastian Kurz und Gernot Blümel, Nowaks Geburtstag zu feiern.
“Jetzt du noch ORF-Chef” -“Alter – dann geht´s aber ab”
Auch über einen möglichen Posten als ORF-Generaldirektor, für den Nowak immer wieder medial gehandelt wurde, tauschten sich die beiden aus. So schreibt Nowak etwa Anfang 2017 an Schmid, der damals Generalsekretär im Finanzministerium ist: “Wobei ORF-Chef geht schon”. Schmid reagiert mit zwei Daumen-hoch-Emojis und einer Faust.
Im März 2019 erkundigt sich Nowak bei Schmid, wie dessen Hearing für die Funktion des Alleinvorstands der Bundesbeteiligungsholding ÖBAG gelaufen sei. “Echt gut”, meint Schmid, was Nowak sehr freut. Schmid daraufhin: “Jetzt du noch ORF-Chef”/”Alter – dann geht’s aber ab”/”Danke für alles”. Nowak reagiert mit: “Ehrensache. Jetzt musst du mir bitte beim ORF helfen.” Schmid: “Unbedingt.”
“Rausgenommen die Formulierung”
Laut Chats sprach Nowak des Öfteren mit Schmid über die Berichterstattung der “Presse”. Schmid monierte dabei unter anderem, wie seine Person in Berichten dargestellt werde. So regt sich Schmid bei Nowak über eine “Presse”-Story über “die Generalsekretäre” auf:
„Ich finde deine Story über die Generalsekretäre auf presse.com Extrem gemein in Bezug auf meine Person?! Ich habe keine Fachkompetenz? Und dann noch Gehrer und Spindi erwähnen damit ich ganz besonders blöd aussehe! Echt fies!“
Nowaks Antwort: „Rausgenommen die Formulierung“
Auch als “Presse”-Chefreporterin Anna Thalhammer eine Geschichte über die Nebentätigkeiten von Generalsekretären recherchiert, meldet sich Schmid bei Nowak.
„Lieber Rainer, diese Thalhammer schreibt eine Story über Nebentätigkeiten der Generalsekretäre!! Kannst du das bitte abblasen??“.
Nowak: „Ist sie schon draußen die Story?“ Und weiter: „Ich rufe sie dann ab (sic!). Bis sechs in Sitzung“. Schmid: „Noch nicht“.
Wenig später meldet sich Schmid noch einmal bei Nowak und erneuert seine Bitte. Nowak gibt Schmid die Antwort durch, die er auf die Presseanfrage geben solle: „Antworte nur dass es kein Nebenjob ist sondern ein aufsichtsratsmandar als eigentümervertretrer mit keinem gehalt sondern einfachem sitzungesgeld“
Nowak entschuldigte sich am Donnerstag bei den “Presse”-Lesern für seine Chats mit Schmid. Das hatte er bereits 2021 getan, nachdem ZackZack Nachrichten zwischen ihm und Schmid öffentlich gemacht hatte. Nun richtet er seinen Lesern aus: „Keiner der untersuchten Interventionsversuche fand in der Berichterstattung der „Presse“ ihren Niederschlag.“
Am Montag soll der Redaktionsrat der Tageszeitung “Die Presse” zusammentreten. Man sei über die Chats von Nowak “empört”. Die Styria, Eigentümerverlag der “Presse”, sprach Nowak am Freitag das Vertrauen für dessen Position aus.
“Du bist unser Küniglberg-Held!
Auch aus dem Jahr 2014 wurden am Samstag neue Chats veröffentlicht. Diesmal geht es um die Korrespondenz zwischen dem Ex-Orf-Finanzdirektor und jetzigem stellvertretenden Kurier-Chefredakteur Richard Grasl mit Thomas Schmid.
Schmid, damals Generalsekretär im Finanzministerium unter Vizekanzler Michael Spindelegger, beklagt sich demnach, dass in der „ZiB 13“ nicht über seinen Chef Spindelegger berichtet werde. Spindelegger befindet sich zu diesem Zeitpunkt bei der Heiligsprechung von Johannes XXIII und Johannes Paul II. in Rom. Schmid meldet sich dann bei der damaligen Fernsehdirektorin Kathrin Zechner: Er, Schmid, “hofft, dass es um 19.30 klappt”.
Zechner wiederum verweist darauf, dass Spindelegger „mit Handshake Papst“ in der Liveübertragung zu sehen sei, wobei Schmid allerdings auf Bilder in der „ZiB1“ beharrt. Kurz nach Ausstrahlung der ZiB1 meldet sich dann Grasl bei Schmid: “Alles geklappt. ZiB 1 und Foto schon beim ‘Kurier’.”
Schmid zeigt sich zufrieden: “Du bist der Beste! Danke dir für deine Hilfe heute. Ich weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist.”
Grasl: “Für mich schon! That’s my job!”
Schmid: “Du bist unser Küniglberg-Held! Ohne deine Hilfe hätten wir keine Pics bekommen. Danke nochmal.”
Einen Tag später meldet sich Grasl wieder bei Schmid: „brauchts noch was orf-mässig wg. Budgetrede? Würde hvk (Anm. Herr Vizekanzler) anl. Zob2-auftritt auch gerne in mein büro einlade.?“
Schmid: „Ja super! Schick´ ihm kurze SMS“
Grasl verteidigte sich gegenüber dem “Standard” unterdessen wie folgt: “Politiker waren immer wieder bei mir, wenn sie im ORF waren”. Was die Budgetrede anbelangt könne „nur ein ORF-Thema gemeint gewesen sein, wuesste nicht, was ich damit sonst hätte tun sollen”. Zum Papst-Besuch Spindeleggers, meint Grasl, dass er heute nicht wisse, war hätte tun können. Solche Themen habe er an den zuständigen ORF-Generaldirektor weitergegeben.
Auch ORF-News-Chef mit Chat-Problemen
Ebenso wird im Bericht der WKStA ein weiterer Journalist notiert: ORF-TV-News Chefredakteur Matthias Schrom. Chats zwischen ihm und Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache behandelten die inhaltliche Ausrichtung des ORF und etwaige Personalwünsche der FPÖ.
Schrom war zu besagtem Zeitpunkt ORF 2-Chefredakteur. Stein des Anstoßes für den Chat war ein “ZiB 24”-Bericht, der Strache offenbar missfiel. Dem stimmte Schrom mit “das ist natürlich unmöglich” zu. Zur inhaltlichen Ausrichtung der Spartensender ORF 1 und ORF 2 schrieb Schrom: “Es ist schon bei uns genug zu tun und jeden Tag mühsam, aber langsam wird’s, und die, die glauben, die SPÖ retten zu müssen, werden weniger.” ORF 1 sei “noch viel linker” als ORF 2. In der Folge ging es in dem Chat überdies um zwei Personalwünsche vonseiten der FPÖ in Richtung ORF.
In einem Rundmail an TV-Redakteure und Führungskräfte des ORF räumte der seit 2020 als TV-News-Chefredakteur fungierende Schrom nun ein, dass der im WKStA-Akt enthaltene Chat-Verlauf “zugegebenermaßen keine glückliche Außenwirkung” habe: “Relevant ist aber der Kontext, in dem das verfasst wurde: Diese Unterhaltung hat vor dem Hintergrund massiver Angriffe durch die FPÖ auf den ORF stattgefunden.”
Er habe versucht, “den Fokus von der ZiB weg und woanders hinzulenken, auf einen Bereich, den andere verantwortet haben”. Schrom habe sich bei den Verantwortlichen auch bereits entschuldigt.
(bf)
Titelbild: GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com ZackZack/Christopher Glanzl HANS PUNZ / APA / picturedesk.com