Der ruchlosen russischen Söldnertruppe „Wagner“, die für ihre brutale Vorgehensweise in der Ukraine bekannt ist, stellte sich das amerikanische Pendant „Mozart“ entgegen.
Kiew | Zwei paramilitärische Söldnertruppen waren bis vor Kurzem noch in der Ukraine tätig. Beide tragen zwar den Namen von Komponisten, aber unterscheiden sich in ihren Aufgaben. Während „Wagner“ seit 2014 an der Invasion in der Ukraine an der Seite von Russland beteiligt ist, hat sich „Mozart“ im März 2022 als westliche Antwort aus ehemaligen US-Marines formiert. Letztere musste jedoch wegen mangelnder finanzieller Ressourcen ihre Mission beenden.
Barbarische Truppe von Putins Koch
Seit Beginn des Krieges sorgte das private Militärunternehmen „Wagner“ des russischen Geschäftsmanns und engen Verbündeten Wladimir Putins Jewgeni Prigoschin mit seinen Rekrutierungsmethoden und grausamen Taktiken im Krieg gegen die Ukraine für Schlagzeilen. Prigoschin, der in Russland „Putins Koch“ genannt wird, stritt zunächst vehement jede Verbindung zu der Söldnergruppe ab. Spätestens als im September 2022 Videos von ihm während einer Rekrutierungsmission von Häftlingen viral gegangen sind, bekannte er sich zu seiner Beteiligung.
Seitdem propagiert Prigoschin aktiv mit Werbeplakaten für den Beitritt zu „Wagner“.
Die USA bezeichneten die Gruppe letzte Woche als “bedeutende transnationale kriminelle Organisation” und verhängten neue Sanktionen. Diese Woche äußerten Menschenrechtsbeobachter den Verdacht, dass “Wagner”-Kämpfer mit dem Massenmord an Menschen in Mali im vergangenen Jahr in Verbindung stehen.
Ex-Marine-Oberst auf humanitärer Mission
Der pensionierte Oberst des US-Marine Corps Andy Milburn gründete mithilfe fachkundiger Freiwilliger die Gegen-Organisation „Mozart“, um ukrainische Zivilisten im Donbass auszubilden und humanitäre Hilfe zu leisten. Milburn hat mit 31 Jahren beim US-Militär und Einsätzen in Somalia, Irak, Afghanistan und Libyen jede Menge Erfahrung in Kriegsgebieten gesammelt. Der Name war ironisch als „psychologisches Gegenstück“ zu „Wagner“ gedacht und sollte nicht implizieren, dass sie militärische Operationen durchführen: „Ich möchte nicht, dass irgendjemand denkt, wir seien wie sie (“Wagner”), und ich möchte nicht, dass irgendjemand denkt, unser einziges Ziel sei es, gegen sie zu kämpfen“, so Milburn gegenüber US-Medien und weiter: „Ich habe mehr Respekt vor dem ethischen Verhalten des Islamischen Staates als vor den Russen. Das ist keine Übertreibung.“ Anfangs erlebte die Mission einen Aufstieg: Die erfahrenen Kriegsveteranen trainierten ukrainische Truppen, retteten zahlreiche Zivilisten und nahmen Spenden über eine Millionen US-Dollar ein. Auf Spenden sind sie angewiesen, nachdem sie keine NGO sind und keine staatliche Unterstützung kriegen.
Zu wenig Geld, zu viele Ausgaben
Mittlerweile hat sich das Blatt jedoch gewandt. Nach monatelangem Kampf mit finanziellen Ressourcen hat sich die Gruppe nun aufgelöst und den Heimweg angetreten, wie Milburn über seine Social-Media-Kanäle bekannt gab.
Die Mitglieder der „Mozart“-Gruppe waren nicht einfach zu verwalten, ließ Milburn die „New York Times“ wissen. Bei den meisten handelte es sich grauhaarige Kriegsveteranen, die zugaben mit psychischen Erkrankungen und Alkoholexzessen zu kämpfen. „Wenn sie nicht arbeiteten, zog es sie in die Kiewer Stripclubs, Bars und zum Online-Dating”, heißt es in dem Artikel weiter. Außerdem sollen die Ex-Soldaten unter Alkoholeinfluss Anschuldigungen gegen die ukrainische Führung erhoben haben, wodurch es zu Spannungen und internen Fehden gekommen ist. „Es wurde viel geflucht, es gab viele Ausschweifungen“, sagte ein Mitarbeiter. Der Artikel schließt mit der Aussage, dass Andrew Milburn beabsichtigt, das Unternehmen wiederzubeleben.
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