Der Wiener Szenegastronom und Kurz-Intimus Martin Ho hat offenbar Probleme mit Löhnen. Konkret sollen mehr als 100.000 Euro an Gehältern nicht ausbezahlt worden sein. Stattdessen wurde Arbeitnehmern mitgeteilt, sich an die Arbeiterkammer zu wenden. Diese wittert eine Betrugsmasche.
„Krimi um Unternehmen von Martin Ho“. Nicht weniger versprach die Arbeiterkammer bei einer Pressekonferenz am Donnerstagvormittag. Der Hintergrund: einige ehemalige Unternehmen von Hos DOTS-Gruppe sollen Gehälter systematisch nicht ausbezahlt haben. Stattdessen wurde Arbeitnehmern laut Arbeiterkammer geraten, sich wegen der ausstehenden Löhne an die Arbeiterkammer zu wenden. Über den Insolvenzentgeltfonds könnten Arbeitnehmer Geld von öffentlicher Hand bekommen, anstatt von den in Zahlungsschwierigkeiten geschlitterten Unternehmen. Gleichzeitig wurde einigen Mitarbeitern jedoch seitens Ho ein neuer Job angeboten, wie die AK berichtet.
Trotz Problemen neue Mitarbeiter
Das Seltsame an der Sache: Trotz augenscheinlicher Zahlungsschwierigkeiten und massiver Lohnrückstände stellten Unternehmen der DOTS-Gruppe weiterhin neue Mitarbeiter ein. Einige Unternehmen, die keine Löhne ausbezahlten, wurden hingegen aus der DOTS-Gruppe ausgegliedert. Die AK wittert deswegen Betrug, richtete eine „Stabstelle Betrugsbekämpfung“ ein und schloss mögliche Strafverfahren nicht aus.
Mysteriöse Firmen
Drei Firmen kamen der Arbeiterkammer besonders verdächtig vor: Die Rixi One Personalverwaltung GmbH, die Rixi Seven Personalverwaltung GmbH und die Baolynn Flowers GmbH. Alle drei haben eines gemeinsam: Sie zahlten seit einiger Zeit kaum mehr Löhne aus und gehörten früher unter anderem Namen zu Hos DOTS-Gruppe.
Mitarbeiter der Unternehmen wandten sich daraufhin in über 70 Fällen an die Rechtsberatung der Arbeiterkammer. Dort erzählten sie laut AK auch von vertraulichen Gesprächen mit Martin Ho. Dieser habe einigen Mitarbeitern trotz Lohnrückstand neue Jobs in anderen Unternehmen der DOTS-Gruppe angeboten. Die ausstehenden Gehälter würden stattdessen „über die AK“ bezahlt werden.
Außerdem haben alle drei oben genannten Firmen plötzlich einen neuen Geschäftsführer, der selbst in Privatinsolvenz ist und sich mit Insolvenzen deshalb bestens auskennt: H. Michael P.
Die Arbeiterkammer fragt sich, wie H. Michael P. trotz eigener Insolvenz drei Unternehmen übernehmen konnte. Sie fordert eine Zuverlässigkeitsprüfung bei der Bestellung von Geschäftsführern, um „Wandergeschäftsführer, die eine Insolvenz nach der anderen produzieren“ künftig zu verhindern.
Möbel und Bilder gepfändet
Um trotz Insolvenz der drei ehemaligen Ho-Unternehmen trotzdem noch an die Löhne der Angestellten zu kommen, ließ die AK Inventar, das sich in den Räumlichkeiten der Firmen fand pfänden. Bilder, Möbel und Tische sollten so am 19. Dezember versteigert werden.
Doch zur Überraschung meldeten sich daraufhin plötzlich Anwälte von Unternehmen der DOTS-Gruppe, die beteuerten, die Bilder und Möbel würden gar nicht den insolventen Unternehmen gehören, sondern immer noch Firmen von Hos DOTS-Gruppe.
Ludwig Dvořák, Bereichsleiter arbeitsrechtlicher Beratung in der Arbeiterkammer, prangerte die etwaige Geschäftspraktik von Martin Ho an: „Die Strategie hinter den dubiosen Vorgängen ist scheinbar, wirtschaftlichen Schaden von privater Tasche auf die Öffentlichkeit abzuwälzen.” Man müsse deshalb verhindern, dass „auf Kosten der Allgemeinheit Unternehmen ihre Profite maximieren.”
41 Fälle landeten vor dem Arbeits- und Sozialgericht. Bis es zu einer Entscheidung kommt, stehen die Beschäftigten von Hos Firmengeflecht vor Weihnachten mit leeren Händen da.
Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
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