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Frauen und ihre Preise

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Frauen und ihre Preise

Den diesjährigen Deutschen Buchpreis konnte Martina Hefter für sich entscheiden. Allerdings entschloss sich der unterlegene Finalist Clemens Meyer dazu, kein guter Verlierer zu sein. Die Entscheidung der Jury sei eine Schande für Literatur. Große Worte, große Kränkungen. Und leider auch: eine große mediale Aufmerksamkeit.

Nachdem der Versuch, schreibende Frauen in sicher eingehegtes Terrain abzuschieben, das sich „Frauenliteratur“ nennt, krachend gescheitert ist, befinden wir uns nun mitten in der Ausweitung der Kampfzone. Frauen werden nicht nur verlegt, sie werden auch mit Preisen ausgezeichnet. Und das bringt immer wieder inmitten des schon länger stattfindenden Backlashs interessante Ansätze ans Tageslicht. Bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises gab es mehrere Finalisten und Finalistinnen, die Fluch und Segen dieser letzten Meter erleben konnten, unter ihnen Clemens Meyer und Martina Hefter. Dass letztere den Wettstreit für sich entschied, ist ja schon bekannt. Allerdings entschloss sich Meyer dazu, kein guter Verlierer zu sein. Die Entscheidung der Jury sei eine Schande für Literatur. Große Worte, große Kränkungen. Und leider auch: eine große mediale Aufmerksamkeit.

Schon sprach kaum jemand über die Gewinnerin Martina Hefter, man hing gebannt an den Lippen des herzblutenden Übergangenen. Er hätte eine schwierige Privatsituation und eine schwierige finanzielle Situation. Keiner hat je gefragt, aus welcher Situation eigentlich die Autorin kam, wie lange sie an ihrem Werk gearbeitet, wie sie sich gefühlt hatte. Eine Frau hat eben dem gekränkten literarischen Ego eines Mannes zu weichen. Er hätte sie, die Preisträgerin, wiederum nicht kränken wollen, sagte er. Was genau ist es denn dann, wenn ein ausgezeichnetes Werk nicht der Auszeichnung wert befunden wird, denn eine Kränkung, ja eine Schmähung? Aber es geht noch eine Drehung Shitbingo weiter. Nachdem Meyer viel Raum dafür bekam, seinen Wutausbruch unter anderem im Spiegel zu kommentieren, setzte der Spiegel selbst noch eins in Sachen Autorinnenkränkung drauf und beraubte die Ausgezeichnete gleich ihres Namens, nannte sie Monika Hefter. Die Frau und ihr Name. Schwierig. Ein Preis für zwei Frauen muss genügen, Monika Helfer goes also Martina Hefter. Gensplice Deluxe. Aus all diesen Aktionen spricht nur eines klar und deutlich: Die Verachtung der Literatur, die frech aus weiblichen Hirnen in die Welt hinausdrängt und ihr zugedachte kleine Spielräume verlässt. 

Denn Literatur, die wahre, tiefe, die echte Literatur wird natürlich nur von Männern bespielt. Abseits dieser Literatur gibt es noch die Herrenliteratur. Aber das wäre wieder ein völlig anderes Thema.

Autor

  • Julya Rabinowich

    Julya Rabinowich ist eine der bedeutendsten österreichischen Autorinnen. Bei uns blickt sie in die Abgründe der Republik.

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