Eigentlich wollte Karl Mahrer von der Parkbank auf die Regierungsbank wechseln. Jetzt wird es die Anklagebank. Der Donaustädter SPÖ-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy zittert als zweiter Angeklagter mit.
Nach dem ZackZack-Bericht am Donnerstag ging es schnell. Zuerst versuchte sich Mahrer an der Spitze der Wiener ÖVP anzuschrauben. „Ich habe zu 100 Prozent ein reines Gewissen und eine starke Teflonschicht“. Mit dieser seltsamen Erklärung in „Die Presse“ wollte der strauchelnde Obmann seiner Partei klarmachen, dass er zum Aussitzen bereit sei.
Falls Mahrer spekuliert hat, dass ein Angeklagter in einer Partei der Beschuldigten nicht weiter auffallen würde, scheint er sich getäuscht zu haben. Neben seiner Anklage hat Mahrer ein weiteres Manko: Er steht nicht in der Gunst des Wiener Bürgermeisters.
Dort wartet längst ein anderer auf seine Chance: Walter Ruck, der gut vernetzte Baumeister und Chef der Wiener Wirtschaftskammer. Mit der Schlinge in der Hand steht Ruck bereit: „Ich denke, dass es eine sehr ernste Situation ist, die der Parteiobmann unterschätzt, wenn er glaubt, wir gehen zur Tagesordnung über.“
Teflon-Loch
Das Loch in Mahrers Teflonschicht scheint größer als bisher bekannt. In der Causa Wienwert wird er gemeinsam mit seiner Frau wegen eines Unternehmens angeklagt: der Charisma GbmH. Dort führen aber noch ganz andere Spuren hin. Mahrers Charisma hat offensichtlich gereicht, auf seltsame Art an COVID-Förderungen zu kommen. Im Mahrer-Firmengeflecht hat ZackZack auch den bemerkenswertesten Fall dokumentiert: der Förderung der Charisma GmbH in Mahrers Wiener Privatwohnung.
Besteht hier der Verdacht des Förderungsbetrugs? Derzeit wird diese Causa nicht von der WKStA verfolgt.
SPÖ-Nevrivy
Alles, was jetzt mit Mahrer geschieht, wird in der Wiener SPÖ nervös beobachtet. In der Causa Wienwert hält auch die SPÖ bis heute an einem Beschuldigten fest: dem Donaustädter Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy. Doch im vierseitigen Dokument des Justizministeriums, in dem das Vorhaben der WKStA zur Kenntnis genommen wird, fehlt der Name „Nevrivy“.
Wer glaubt, dass daher vom Justizministerium die Anklage gegen Ernst Nevrivy nicht genehmigt wurde, irrt. Auf den vier Seiten hielt die Abteilung 2, die in der Sektion V „Einzelstrafsachen“ die Aufsicht über Großverfahren innehat, alles fest, was sie an Wünschen und Anregungen zu den geplanten Anklagen im großen Wienwert-Verfahren hatte.
Zu Nevrivy findet sich hier aus einem einfachen Grund nichts: Das Justizministerium ist mit der geplanten Anklage gegen den Bezirksvorsteher auf Punkt und Beistrich einverstanden.
Ludwix gegen Imperator Kickl
Michael Ludwig muss derzeit seinen geplanten Wahlkampf kurzfristig umstellen. Herbert Kickl hat ihm durch seine Zerstörung der Regierungsverhandlungen die gut vorbereitete Geschichte vom roten gallischen Dorf, das der Hinkelsteinträger Ludwix gegen Imperator Kickl verteidigt, verpatzt. Jetzt muss der SPÖ-Chef schnell eine Lösung für Nevrivy finden. Wer Michael Ludwig kennt, weiß, dass das wahrscheinlich ein versteck für die Dauer des Wahlkampfes sein wird.
Einen Fehler wird Ludwig nicht machen: Er wird Ernst Nevrivy kaum in einem Kleingartenverein verstecken.
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