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Edtstadler, Schallenberg, Tanner: ÖVP-Minister verbreiten “fehlerhafte Fakten” über Impfung

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Edtstadler, Schallenberg, Tanner: ÖVP-Minister verbreiten “fehlerhafte Fakten” über Impfung

Edtstadler, Schallenberg, Tanner:

Drei Mitglieder der ÖVP-Ministerriege griffen in den vergangenen Tagen die EU-Arzneimittelbehörde scharf an. Im Unterschied zur EU werde der Corona-Impfstoff des Herstellers Johnson&Johnson im Vereinigten Königreich bereits eingesetzt. Doch das stimmt gar nicht.

 

Wien/London, 22. Februar 2021 | „Die EMA ist aktuell leider oftmals eher Verzögerer als Ermöglicher“, erklärte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner am Sonntag per Presseaussendung. Es geht um die Zulassung des Corona-Impfstoffs des US-Konzerns Johnsons&Johnson in der EU. Tanner wünscht sich von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA ein rascheres Vorgehen. Wie es geht, zeige das Vereinigte Königreich vor, behauptete Tanner. „In Großbritannien“ werde der Imfpstoff „bereits genutzt.“

Gemeinsame Angriffe auf EU

Zuvor hatten Europaministerin Karoline Edtstadler und Außenminister Alexander Schallenberg (beide ebenfalls ÖVP) fast wortgleich in dieselbe Kerbe geschlagen. Am Donnerstag erklärte Edtstadler gegenüber der APA: „Jeder schaut in Richtung Großbritannien, ausgerechnet in das Land, das aus der EU ausgeschieden ist und uns jetzt vormacht, wie es anders gehen könnte. Das tut weh! Das schmerzt mich als Europaministerin und als Europäerin, weil es scheint, dass wir in der EU so hintennach sind.”

Auch Schallenberg sagte, der Johnson&Johnson-Impfstoff werde in Großbritannien bereits eingesetzt. Es sei also „unverständlich“, warum dessen Zulassung in der EU „dermaßen lange“ dauere.

Für Matt Hancocks Gesundheitsministerium kommt das Lob aus Österreich überraschend. Man habe den Impfstoff von Johnson&Johnson schließlich noch gar nicht zugelassen. Bild: APA Picturedesk

UK-Gesundheitsminsterium: Impfstoff noch gar nicht zugelassen

Doch den drei Ministern dürfte ein Irrtum unterlaufen sein: Der Corona-Impfstoff des US-Konzerns Johnson&Johnson ist nämlich im Vereinigten Königreich noch gar nicht zugelassen. Im Gesundheitsministerium von Minister Matt Hancock reagierte man auf eine entsprechende ZackZack-Nachfrage erstaunt. Wann es eine Zulassung geben wird, ist laut einer Sprecherin des UK-Gesundheitsministeriums noch nicht absehbar. Der Impfstoff befinde sich derzeit in der klinischen Testung.

Woher stammt die Information der ÖVP-Ministerriege? Aus dem Kabinett von Klaudia Tanner heißt es, man habe sie den Medienberichten über die Äußerungen Edtstadlers und Schallenbergs entnommen. Beide waren für Rückfragen nicht erreichbar. Zahlreiche Medien hatten die Äußerungen der ÖVP-Minister ungeprüft übernommen.

(tw)

Titelbild: APA Picturedesk

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