So hatte sich der neue ÖVP-Landwirtschaftsminister sein Antrittsinterview in der “Kronenzeitung” wohl nicht vorgestellt. Die Zeitung legt offen, dass sich Totschnig seine Interviewpartnerin aussuchen wollte. Ansonsten enthüllt das Gespräch vor allem einen interessanten Schwerpunkt-Ansatz des Ministers und eher schlechte Aussichten für Tiere in Österreich.
Wien, 23. Mai 2022 | Schon die ersten Zeilen des am Samstag erschienenen “Krone”-Interviews offenbaren, dass es im Vorfeld einige Diskussionen gegeben haben dürfte. Neo-Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig dürfte sich geweigert haben, das Gespräch mit “Krone”-Tierexpertin Maggie Entenfellner zu führen, die – wie der Artikel festhält – für diesen Auftrag von der Chefredaktion nominiert worden war. Kurzerhand übernahm also Redakteur Michael Pommer – und tat das gespickt mit Provokationen.
So stellt er als erste Frage auch die nach seiner verhinderten Kollegin: „Was haben Sie gegen Maggie Entenfellner?“ Antwort: „Gar nichts habe ich gegen Maggie Entenfellner.“ Auf diese Passage folgt, im Text transparent angeführt, ein verbales Handgemenge mit der Pressesprecherin des Ministers. Doch dann geht das ganze erst so richtig los.
Die folgenden Antworten von Totschnig auf die oft scharfzüngigen Fragen des “Krone”-Journalisten fallen überraschend einsilbig aus, bringen dabei aber auch einige interessante Erkenntnisse. So stellt sich bereits in der vierten Frage heraus, dass sich der gerade erst Angelobte nicht einmal den ÖVP-Parteitag via Stream angesehen hat, lediglich „von daheim aus ein paar Teile daraus”.
Jungbauernkalender und Porno-Zitat
Noch happiger wird es dann bei jenen Fragen zu seinem aktuellen Zuständigkeitsbereich. Dabei packt der “Krone”-Interviewer auch ein Relikt aus der Vergangenheit aus und konfrontiert den ehemaligen Bauernbund-Direktor mit Bildern des Jungbauernkalenders, auf dessen Blättern nur spärlich bekleidete Frauen zu sehen sind. In die Frage baut er auch ein berühmtes Porno-Zitat („Warum liegt hier Stroh?“) ein, wohl um hervorzukehren, dass die Schweine auf dem Foto strohlos eingepfercht sind.
Totschnig entgegnet, er sei für den Kalender schon seit 17 Jahren nicht mehr zuständig gewesen und liefert einen bemerkenswerten Erklärungszusatz für die Abbildungen: Man habe immer „eine modernere Seite in der Landwirtschaft“ zeigen wollen.
Tierwohl? Fehlanzeige!
Der Höhepunkt des Gesprächs spielt sich in den nächsten beiden Fragen betreffend Tierwohl in Österreich ab. Damit möchte der Landwirtschaftsminister – zumindest laut seinen Aussagen in der “Krone” – eher weniger zu tun haben: „Ich bitte um Verständnis, dass ich mich in erster Linie um meine wirklichen Kernbereiche kümmere. Das sind Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft und Regionen.“ Auch die sehr überraschte Nachfrage Pommers kanzelt er direkt ab: „Tierwohl ist im Zuständigkeitsbereich des Herrn Gesundheitsministers. Wir werden konstruktiv zusammenarbeiten, und ich konzentriere mich auf die Landwirtschaft.“
Übrigens: In zeitgleich veröffentlichten Interviews anderer Medien wird der Agrarminister mit folgendem, bemerkenswerten Satz zitiert: “Ich bin nicht Lobbyist des Bauernbundes, ich bin Lobbyist der Bäuerinnen und Bauern.” Sebastian Kurz sieht er “medial vorverurteilt”.
Aber zurück zur “Krone”-Fragerunde. Zum Schluss des Gesprächs legt die “Krone” Totschnig angebliche Aussagen der Angestellten im Eingangsbereich des Landwirtschafsministeriums vor, nach denen diese ihn, den neuen Minister, überhaupt nicht oder wenn, dann nur dem Nachnamen her kennen würden. Antwort: „Ich kenne die Damen, ich bin immer sehr freundlich. Jetzt werde ich mich reinhauen und bin zuversichtlich, was die Steigerung meiner Bekanntheit betrifft.“ Spätestens nach Veröffentlichung des Interviews dürfte das einfacher gehen. Und siehe da: Wenige Stunden nach Erscheinen des Textes schwirrte dann folgende Instagram-Sequenz des Ministers durchs Netz:
Der neue Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig. Das ist auf so vielen Ebenen verstörend…mir fehlen die Worte. 😳
Ich hab mir nur eine Sekunde lang vorgestellt, wie ich an meinem Arbeitsplatz von Vorgesetzten für eine derartige Peinlichkeit abkommandiert werde…#oevp 👇 pic.twitter.com/iZex0cDBf5— Legalitätsprinzip (@art18bvg) May 19, 2022
Lieblingsfarbe Grün
Das letzte Schmankerl im “Krone”-Gespräch sind dann auch die allerletzten Zeilen, die wir hier in Gänze wiedergeben wollen. Pommer von der “Krone”: „Ich glaube, Ihrer Pressesprecherin war im Vorfeld wichtig, dass ich auch persönliche Fragen stelle, um Ihre Persönlichkeit zu beleuchten. Also bitte: Was ist Ihre Lieblingsfarbe?“ Der ÖVP-Minister: „Grün.“ “Krone”-Pommer: „Danke für das Gespräch.“ Auch wir sagen danke.
(am)
Hier das Krone-Interview in voller Länge.
Titelbild: APA Picturedesk