Studien
Zwei neue Studien haben den Ursprung der Coronavirus-Pandemie untersucht. Alles andere als ein bestimmter Wildtiermarkt im chinesischen Wuhan sei “einfach nicht plausibel”.
Washington, 27. Juli 2022 | Die Corona-Pandemie hatte Ende 2019 in Wuhan ihren Ausgang genommen. Schon bald war darüber spekuliert worden, dass das Virus bei einem Laborunfall am Institut für Virologie in Wuhan entwichen sein könnte, in dem an Coronaviren geforscht wird. China bestreitet das.
Erst im Jänner 2021 konnte dann ein internationales Experten-Team der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Wuhan besuchen. Sie lieferten zwar keine klaren Ergebnisse zum Ursprung der Pandemie stuften die Labor-Theorie jedoch als “extrem unwahrscheinlich” ein. An dem Bericht und der Untersuchung selbst waren aber schnell Zweifel und Kritik laut geworden, weil den internationalen Experten in China Zugang zu wichtigen Daten verwehrt worden sein könnte.
Laborunfall-Theorie stimmt nicht
Zwei neue Studien haben nun einen Tiermarkt im chinesischen Wuhan als Ausgangspunkt der Corona-Pandemie ausgemacht – und sehen die These eines Laborunfalls als Ursache entkräftet. Die Untersuchungen hätten gezeigt, “dass es einfach nicht plausibel ist, dass dieses Virus auf eine andere Weise als durch den Handel mit Wildtieren auf dem Markt von Wuhan eingeschleppt wurde”, sagte einer der Autoren der Studien, der Virologe Michael Worobey von der University of Arizona, am Dienstag.
Studien-Mitautor Kristian Andersen vom Scripps Research Institute sagte, die Theorie eines Laborlecks sei zwar nicht widerlegt. Es sei aber wichtig zu verstehen, “dass es mögliche und wahrscheinliche Szenarien gibt. Und dass möglich nicht gleich wahrscheinlich ist.”
Erste Fälle rund um Tiermarkt
In der ersten Untersuchung wurde die geografische Verteilung der ersten Covid-Fälle im Dezember 2019 analysiert, wobei sich zeigte, dass diese eng um den Huanan-Tiermarkt in Wuhan herum angesiedelt waren. Einige der ersten Patienten, die in der jüngeren Vergangenheit den Markt nicht besucht hatten, lebten in unmittelbarer Nähe des Marktes.
Die Forscher analysierten zudem Virus-Proben, die sie im Jänner 2020 auf dem Markt genommen hatten. Den Angaben zufolge konzentrierten sich diese auf den südwestlichen Teil des Marktes, wo lebende Tiere wie Füchse oder Marderhunde verkauft wurden.
Die zweite Studie nahm eine Genom-Analyse des Virus vor, das bei den ersten Corona-Patienten nachgewiesen wurde. Dabei untersuchten die Forscher zwei Abstimmungslinien des Erregers. Sie kamen zu dem Schluss, dass beide bei verschiedenen Ereignissen, im November und Dezember 2019, von Tieren auf dem Markt auf Menschen übergesprungen sind. Es sei unwahrscheinlich, dass das Virus vor November 2019 beim Menschen zirkulierte, schrieben die Wissenschaftler.
(apa/red)
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