Reichen die SIGNA-Besicherungen für Bankkredite in Milliardenhöhe? Das wollen die Prüfer der Europäischen Zentralbank EZB von deutschen und österreichischen Banken wissen. Aber René Benkos SIGNA hat seit den Kreditaufnahmen viel verkauft und an Wert verloren. Nicht nur Benko wartet gespannt auf das Ergebnis der Prüfung.
Wien | „Eine überwiegend mit Österreichern besetzte internationale Mannschaft an Bankenaufsehern der EZB prüft europäische Banken zu nur einem ausgewählten Kreditnehmer: der Signa-Holding des Tiroler Immobilienunternehmers René Benko.“ Das meldete die „FAZ“ am 7. Juli 2023 und zitierte einen „langjähriger Bankvorstand in Frankfurt“: „Das gab es noch nie“. Die Unsicherheiten rund um Benkos SIGNA haben jetzt endgültig die großen Banken erreicht.
In einer „on site“-Prüfung nehmen die EZB-Aufseher jetzt vor Ort Einblick in die SIGNA-Kredite. Sie wollen sich vor Ort zeigen lassen, ob Banken bei „SIGNA“ alle Kreditvergabestandards eingehalten haben. Sie prüfen Zinszahlungen und stellen zum Schluss fest, ob Regeln gebrochen worden sind. Im Fall „SIGNA“ prüfen sie offensichtlich vor allem eines: die Besicherungen der Kredite.
Schrumpfende Sicherheiten
Bei den SIGNA-Immobilien hat sich seit der großzügigen Vergabe der Kredite einiges geändert. Fast die Hälfte der Filialen der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof ist bereits verkauft. Die thailändische „Central Group“ hat SIGNA die Hälfte des Berliner Luxuskaufhauses „KaDeWe“ abgekauft. Auch beim „Lamarr“, dem neuen SIGNA-Einkaufstempel in der Wiener Mariahilferstraße, ist der thailändische Konzern zur Hälfte an der Immobilie beteiligt.
Andere Immo-Juwelen wie das „Apple Haus“ in Wien, die Kika/Leiner Immobilien, das Bürohochhaus “Mynd” und das “Galeria Weltstadthaus” in Berlin hat SIGNA ebenfalls verkauft. Die Kika-Immobilien werden bereits weiterverkauft, für die Beschäftigten ist dort kein Platz mehr.
Benkos SIGNA hat große Immobilien zu Geld gemacht – „um Kredite bedienen zu können und nicht zahlungsunfähig zu werden“, wie ein Banker, der nicht genannt werden will, vermutet. EZB und OeNB müssen jetzt prüfen, ob mit den Anteilen an den Luxusimmobilien nicht wesentliche Besicherungen verkauft wurden.
„satter Wertverlust“
Die Wertverluste am Immobilienmarkt verschlechtern die Besicherungen durch SIGNA-Immobilien. „Die Buchwerte sind danach in der Prime-Sparte um 3,6 Prozent und in der Development um 9,8 Prozent gesunken – ein satter Wertverlust, zumal die Inflation zusätzlich am Wert ihres Kapitals frisst“, stellte das „Manager-Magazin“ im Mai 2023 fest.
Bewertungen
René Benko hat ein Geschäftsmodell. Professor Leonhard Dobusch von der Universität Innsbruck stellte das auf Twitter ausführlich dar: Ohne größere Teile des Immobilienportfolios zu verkaufen, habe Benkos „Signa Prime Selection AG“ in Corona-Zeiten über 200 Millionen Euro an Dividenden ausgeschüttet. Eigentlich hätte Benkos Firma schon 2019 einen Verlust von 95 Millionen Euro gemacht. Auf Basis von Neubegutachtungen wurde aber der Immobilienbestand der Firma um 933 Millionen Euro höher bewertet. So sei aus dem Minus ein Gewinn von 838 Millionen Euro geworden, berichtete das Manager-Magazin.
Wenn die Prüfer jetzt feststellen, dass SIGNA-Immobilien und damit mögliche Sicherheiten für Banken überbewertet sind, könnten sie eine Neubewertung durchsetzen – mit allen Folgen für Kredite und SIGNA-Finanzen.
Mehr Risiko, mehr Aufschlag
Doch die EZB-Prüfer sehen sich noch mehr an. Banken bewerten einzelne Risiken unterschiedlich. Sollten die Prüfer zum Schluss kommen, dass die Banken unterschiedliche Risikoansätze für SIGNA gewählt haben, würden sie weiterbohren und möglicherweise zu geringe Ansätze beanstanden. Einzelne Institute müssten ihre Risikorücklagen für die SIGNA-Kredite erhöhen. Die Folge wäre ein weiterer Risikoaufschlag und damit eine Erhöhung der Kreditzinsen für SIGNA.
Österreichische Banken
Drei österreichische Banken stehen auf der Liste der „FAZ“: Raiffeisen, BAWAG und die Erste Bank. Ein großer Teil der 8,4 Milliarden Euro, die die „Wirtschaftswoche“ für die Bank-Verbindlichkeiten von SIGNA nennt, fällt auf österreichische Institute. Unter diesen Banken scheinen die Risiken höchst unterschiedlich verteilt zu sein.
Der Prüfauftrag der EZB betrifft nur „Significant Institutions“ (SI) mit einer Bilanzsumme von mehr als dreißig Milliarden Euro. Damit wären nach der “FAZ”-Liste BAWAG und Erste Bank Fälle für die strengen SIGNA-Prüfungen der EZB.
Klumpenrisiko „Raiffeisen“
Neben der Raiffeisen Bank International RBI stuft die EZB im Konzern unter dem Giebelkreuz nur die Raiffeisen Bankengruppe Oberösterreich als „SI“ ein. Dort wird auch ein großer Teil der SIGNA-Bankenschulden vermutet. Ein Banker spricht von „rund einer Milliarde“. Ein Bankenprüfer bestätigt die Schätzung. Mögliche SIGNA-Schulden bei „nicht signifikanten“ Raiffeisen-Landesbanken fallen unter die Prüfkompetenz der Österreichischen Nationalbank.
Hunderte weitere Millionen belasten andere Institute. Aber das Raiffeisen-Obligo könnte gemeinsam mit den Russland-Investitionen ein besonderes Risiko bilden. Die „Wirtschaftswoche“ berichtete im Februar 2023 über Raiffeisen-Probleme in Österreich: „Schon vor ein paar Jahren sorgten sich die dortigen Finanzmarktaufseher vor einem Klumpenrisiko und meinten, dass etwa die österreichische Raiffeisenbank bereits interne Kreditlimits überschritten haben könnte.“ Kommt es zu einem weitgehenden Ausfall in beiden Bereichen, könnten auf Grund der internen Verflechtungen nicht nur RLB-OÖ und RBI in großen Schwierigkeiten stecken.
Beste Zeiten vorbei
Die Zukunft scheint ungewiss. Niemand weiß, ob einzelne Banken ihre SIGNA-Kreditzinsen erhöhen oder die Kredite gleich fällig stellen. Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, ob und wie Benko und seine SIGNA die nächsten Jahre überleben.
Der deutsche Logistik-Unternehmer Klaus Kühne machte im „Manager-Magazin“ als einer der wichtigsten SIGNA-Aktionäre klar: „Dass die besten Signa-Zeiten vorbei sind, liegt in der Natur der Sache; der Immobilienboom ist ausgelaufen, und die Finanzierungskosten sind stark angestiegen.“
Benkos Aufstieg scheint zu Ende. Ob aus einer kontrollierbaren Krise jetzt eine unkontrollierbare Kettenreaktion wird, wird man möglicherweise erst nach der EZB-Prüfung wissen.
„Andernfalls rechtliche Schritte“
Auf Anfrage erhielt ZackZack von der „Erste Group“ eine branchenübliche Antwort: „Wir erlauben uns darauf aufmerksam zu machen, dass es uns aufgrund des Bankgeheimnisses und des Datenschutzgesetzes untersagt ist, Dritten (zB Medien) Informationen über Kunden weiterzugeben.“ Auch die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich verwies auf das Bankgeheimnis: „zu potenziellen Überprüfungsprozessen seitens der Europäischen Aufsicht können wir keine Stellungnahme abgeben, aus Gründen des Bankgeheimnisses möchten wir zudem auch einzelne Kundenbeziehungen nicht kommentieren“. BAWAG fühlt sich nicht betroffen: „Betreffend Ihre Fragen dürfen wir Ihnen mitteilen, dass wir keine Finanzierungen für Signa haben.“
Statt Antworten auf die detaillierten Fragen erhielt ZackZack von SIGNA Post von Rechtsanwalt Peter Zöchbauer: „Ich vertrete SIGNA. Wir erwarten eine tatsachenkonforme Berichterstattung. Andernfalls werden wir rechtliche Schritte einleiten.“
Zöchbauer hat als SIGNA-Anwalt auch die Millionen-SLAPP-Klage gegen ZackZack vertreten. Aber bei SIGNA und Benko reicht es völlig, über die Tatsachen zu berichten. Sie sprechen für sich.
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Weiterführende Links:
Twitter-Thread Leonhard Dobusch
Signa-Dividende Manager Magazin
EZB-Liste beaufsichtigte Kreditinstitute
Titelbild: HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com, HERBERT NEUBAUER / APA / picturedesk.com, DANIEL ROLAND / AFP / picturedesk.com, Montage ZackZack