Kann in Österreich ein Spitzenbeamter getötet werden, ohne dass in der Folge ernsthaft ermittelt wird? Auf diese Frage scheint es eine Antwort zu geben: Ja.
Demnächst bekommen wir einen neuen Justizminister. Die FPÖ sucht schon seit Wochen einen parteinahen Anwalt, der dann ebenso parteifrei wie verlässlich wirken kann. Die ÖVP sucht ebenfalls.
Sein erster Fall steht bereits fest: Er muss darüber entscheiden, ob die Ermittlungen im Todesfall „Pilnacek“ wieder aufgenommen und erstmals ernsthaft geführt werden.
Daschlogn
Die ersten Ermittlungen zum Verdacht der „fahrlässigen Tötung“ sind binnen weniger Stunden – wie es Pilnacek formuliert hätte – „daschlogn“ worden:
- Spuren und Datenträger sind nicht gesichert worden.
- Niemand hat versucht, die letzten Stunden in Pilnaceks Leben zu rekonstruieren.
- Sein privates Handy ist nicht ausgewertet worden.
- Das Handy ist blitzschnell unter Missachtung gesetzlicher Bestimmungen aus den Ermittlungen verschwunden – und später von der Witwe und Grazer Gerichtspräsidentin mit einem Bunsenbrenner vernichtet worden.
- Weitere Datenträger sind teils verschwunden und teils unzureichend ausgewertet worden.
- Polizeibeamte haben die Notärztin laut ihrer Aussage unter Druck gesetzt, um eine Obduktion zu verhindern.
Schon zu Beginn der Ermittlungen scheint eines festgestanden zu haben: Es musste Selbstmord sein. Dazu musste das Handy verschwinden und das Ergebnis der Obduktion verfälscht werden. Das alles ist passiert.
Fünf Fragen
Die fünf wichtigsten Fragen sind nach wie vor offen:
- Für wen war Pilnacek vor seinem Tod gefährlich?
- Was geschah in Pilnaceks letzter Nacht?
- Warum haben die Ermittler Datenträger statt der Todesursache gesucht?
- Welche Spuren führen an die Spitzen von Innenministerium und ÖVP?
Die fünfte Frage ist die erste Hauptfrage: Ist Christian Pilnacek getötet worden?
Mehr als ein Jahr nach Pilnaceks Tod ist es möglich, den Großteil dieser Fragen zu beantworten, trotz der „Ermittlungen“ von Staatsanwaltschaft Krems und Landeskriminalamt Niederösterreich. Beide haben von Ufer des Donaualtarms bis nach Krems und St. Pölten gezeigt, was in einem österreichischen Rechtsstaat möglich ist.
Doppelaktion
Die brisantesten Spuren führen nach Wien. Niemand wird ernsthaft glauben, dass kleine Polizeibeamte aus kleinen Wachauer Orten auf eigene Faust ein Tötungsdelikt vertuschen. Wer hat die Befehle zur Doppelaktion „Selbstmord“ und „Handy“ gegeben? Das ist die zweite Hauptfrage.
Die Weisungskette geht von der Polizeiinspektion in Mautern über Landeskriminalamt und Landespolizeidirektor bis zum Bundespolizeidirektor und seinem Minister in Wien. Um sie und ihre Rolle geht es.
Am 18. Februar werden Michael Nikbakhsh und ich dazu mein Pilnacek-Buch in der Wiener Kulisse präsentieren. Ich hoffe, dass es einen Beitrag zur späten Aufklärung einer außergewöhnlichen Affäre leistet.