Kaum war Christian Pilnaceks Leiche geborgen worden, begann die Vertuschung. Noch am Fundort des Leichnams setzten Polizisten die Notärztin unter Druck und versuchten, die Obduktion zu verhindern.
Kurz nachdem Christian Pilnacek am Morgen des 20. Oktober 2023 leblos im Wasser eines Donauarms in der Wachau aufgefunden war, begann beides: die Ermittlungen und die Vertuschung.
In der ersten Stunde ging es um eines: Würde die Leiche „freigegeben“ werden – oder würden sich die durchsetzen, die mit einer Obduktion die Todesursache ernsthaft klären wollten.
Dabei ging es von Anfang an um das private Handy von Christian Pilnacek. Darauf fanden sich die letzten Kontakte mit ÖVP-Größen wie Sebastian Kurz. Nur wenn aus dem Todesfall schnell ein Selbstmord werden konnte, wäre der Fall gleich zu Beginn geklärt gewesen – und auf die Auswertung des heiklen Handys hätte verzichtet werden können.
Polizei, Staatsanwaltschaft – alles war auf Schiene. Nur eine Ärztin spielte nicht mit.
Die Stunde der Hausärztin
Um 9.20 Uhr traf die Rossatzer Hausärztin Dagmar W. am Ufer des Donauarms ein. Dort wurde Christian Pilnaceks lebloser Körper ans Ufer gezogen und über die Böschung hinauf auf den Treppelweg getragen.
Die Ärztin sah sofort, dass es sich um keinen normalen Fall handelte. Nach kurzer Untersuchung war für sie klar, dass die Todesursache gerichtsmedizinisch festgestellt werden müsste.
Einige Polizeibeamte stellten sich quer: „Sie sagten mir, dass ich dazu nicht berechtigt wäre und dass man einen Notarzt holen würde. Ich teilte ihnen mit, dass ich Notärztin bin und gerade ich berechtigt bin eine Obduktion anzuregen.“
Todesursache nicht eindeutig
Auch als eine Beamtin versuchte, die Staatsanwältin auf ihre Seite zu ziehen, gab Dagmar W. dem Druck nicht nach. Den Kriminalbeamten blieb keine Wahl. Sie nahmen zu Protokoll: „Die Todesfeststellung durch Dr. W. erfolgte mit 20.10.2023, 09:30 Uhr. Dr. W. regte die Obduktion an, da eine Todesursache nicht eindeutig festgestellt werden konnte“. Mit diesem Satz kam alles, was möglicherweise vor Ort verhindert werden sollte, ins Rollen.
Als die Meldung über den unklaren Todesfall bei der Staatsanwaltschaft Krems ankam, war sofort klar, dass kein Weg an einer Obduktion vorbeiführte: „Der Leichnam wurde somit nicht freigegeben.“
Mehr als ein Jahr später verfestigt sich der Eindruck: Ohne die Beharrlichkeit der Gemeindeärztin hätten die Ermittlungen nur wenige Stunden gedauert. Bis zu ihrem Eintreffen schien das Schicksal des Verfahrens „Pilnacek“ festzustehen: Die Obduktion wäre verhindert und die Ermittlungen wären gleich am Fundort des Leichnams abgedreht worden
Die Hoffnung, die Ursachen und Umstände des Todes von Christian Pilnacek würden mit allen Mitteln von Kriminalpolizei und Gerichtsmedizin aufgeklärt werden, erfüllte sich dennoch nicht.
Was in diesen entscheidenden Stunden genau passierte, hat Peter Pilz für sein neues Buch „PILNACEK – der Tod des Sektionschefs“ recherchiert. Das Kapitel über die versuchte Verhinderung der Obduktion gibt es hier – in DAS VOLLE PROGRAMM für die Mitglieder des ZackZack Clubs.
Titelbild: HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com, Foto vom LKA NÖ