»Gehe davon aus, dass ich gewinne«
Der ÖVP-Liebling Roland Weißmann hat seine Kandidatur zum ORF-Generaldirektor bekanntgegeben. Ein Sieg Weißmanns würde wohl einen türkiseren ORF bedeuten.
Wien, 22. Juli 2021 | ORF-Vize-Finanzdirektor Roland Weißmann lud am Donnerstag zu einem Pressegespräch „über die Zukunft des ORF“ auf den Dachboden eines Hotels in der Wiener Innenstadt. Wenig überraschend gab er dort bekannt, dass er sich der am 10. August anstehenden Wahl zum ORF-Generaldirektor stellen wird.
Kanzler-Favorit
Der gebürtige Linzer galt schon bisher als Verbindungsglied zum türkisen „Freundeskreis“ im ORF-Stiftungsrat. Der ÖVP-Freundeskreis verfügt im Stiftungsrat, der den Generaldirektor wählt, über die Mehrheit und unterstützt Weißmann. Der 53-Jährige hatte in der Vergangenheit auch schon an Treffen der ÖVP-nahen Stiftungsräte teilgenommen. Damit hat Weißmann wohl die besten Karten, die Wahl zu gewinnen. Davon zeigt er sich überzeugt, so sagte er im Rahmen seiner Bekanntgabe: “Ich habe mich heute hier beworben, weil ich davon ausgehe, dass ich gewinne.”
„Dem Publikum verpflichtet“
Inhaltlich ist für Weißmann vor allem wichtig, dass der ORF „digitaler, jünger und diverser“ wird. Der geplante ORF-Player, sowie der multimediale Newsroom, der zurzeit gebaut wird, seien wesentlich für die Wandlung.
Vor wenigen Tagen hatte auch ORF1-Channelmanagerin Lisa Totzauer, die ebenfalls Generaldirektorin werden will, ihre inhaltlichen Pläne und Ziele offengelegt. Mehr Gelder fürs Programm, mehr Regionales und einen Fokus auf Innovation sowie Transparenz sind die Schwerpunkte der 50-Jährigen. Sie positionierte sich als unabhängige Kandidatin, die „dem Publikum verpflichtet“ sei. An Treffen der ÖVP-nahen Stiftungsräte habe sie noch nie teilgenommen, die „Freundeskreise“ sehe sie „primär als politische Formationen an“, zu denen sie „selbstverständlich eine professionelle Distanz“ habe.
Wandel ohne Prozentzahlen
Und auch der amtierende und wieder antretende Generaldirektor Alexander Wrabetz ließ bereits Ziele erkennen. So will er einen „kulturellen und digitalen Wandel“ und „Pflöcke für die Zukunft einschlagen“. Alle drei Kandidaten möchten auch den Frauenanteil erhöhen, wobei Weißmann laut eigener Aussage „Gegner von Prozentzahlen“ ist.
(mr)
Titelbild: APA Picturedesk